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Internationale Pflegekräfte bei Domicil: Bericht im Coburger Tageblatt

Das Coburger Tageblatt hat in einem aktuellen Beitrag einen Blick auf die Integration internationaler Pflegekräfte bei Domicil geworfen. Im Mittelpunkt der Berichterstattung steht der 25-jährige Sudeep Ganiger, der aus dem südindischen Bundesstaat Kerala nach Coburg gekommen ist und im Domicil Seniorenpflegeheim in der Callenberger Straße arbeitet.

 

Folgend finden Sie den vollständigen Artikel aus dem Coburger Tageblatt.
Text und Foto: Christoph Winter



Den kulinarischen Coburger Werbeträger – die Bratwurst – hat Sudeep Ganiger nicht probiert. Und er wird es auch nicht tun. Schweinefleisch ist für den 25-jährigen Hindu aus dem südindischen Bundesstaat Kerala tabu. Seit einigen Monaten arbeitet er im Domicil Seniorenpflegeheim in der Callenberger Straße. Im September steht für den Altenpflegehelfer die Prüfung an. Dann ist er eine examinierte Fachkraft in einem ausgesprochenen Mangelberuf in Deutschland. 80.000 bis 120.000 Altenpfleger fehlen aktuell in der Altenpflege in Deutschland, sagt Christian Nitsche, Vorstandsvorsitzender der Domicil- Seniorenresidenzen aus Hamburg. 

Um diesem Mangel zu begegnen, bildet Domicil seit mehr als drei Jahren Altenpfleger in Indien aus. Sudeep Ganiger ist einer von etwa 250 Auszubildenden bei Domicil aus dem riesigen südasiatischen Land. In dem Neubau an der Callenberger Straße – früher wurde an dieser Stelle das Coburger Sturms Bier gebraut – erlernen etwa 18 Kollegen aus Indien den Beruf. Wie Altenpflegehelfer Sudeep Ganiger den Wechsel aus Kerala nach Coburg bewältigt 

Die Sprachbarriere zwischen Indien und Deutschland ist enorm. Grob geschätzt werden heute in Indien etwa 19.500 Sprachen gesprochen, einschließlich Stammes- und Nicht-Stammessprachen. Daher gibt es dort keine offizielle Landessprache. Von Vorteil ist, dass Englisch neben Hindi auf dem Subkontinent eine Amtssprache ist. „Die meisten sprechen auch Englisch“, sagt Sudeep Ganiger. „In der Sprachschule von Domicil in der Stadt Kollam im südindischen Bundesstaat Kerala mit drei fest angestellten deutschen Sprachlehrern stellen wir sicher, dass unsere neuen Kolleginnen und Kollegen gut vorbereitet und mit einer klaren beruflichen Perspektive nach Deutschland kommen. Es handelt sich um ausgebildete Pflegefachkräfte, die sich im Anerkennungsverfahren befinden, Deutsch lernen, deutsche Pflegestandards trainieren und Schritt für Schritt in Verantwortung hineinwachsen. Hinter diesem Prozess stehen junge Frauen und Männer mit Familien, beruflichem Ehrgeiz, Mut, Heimweh, Humor, Unsicherheit und dem Wunsch, in Deutschland anzukommen und sich hier eine Zukunft aufzubauen. Coburg gewinnt damit nicht nur dringend benötigte Fachkräfte, sondern neue Mitbürgerinnen und Mitbürger mit zukunftssicheren, qualifizierten und gut bezahlten Arbeitsplätzen“, sind Christian Nitsche und Domicil- Kommunikationschef Andreas Jensvold sicher. Mit der Ausbildung nehme man dem indischen Arbeitsmarkt nichts weg. Die beruflichen Aussichten seien dort nicht gut, die Entlohnung niedrig. Das Land hat einen Altersdurchschnitt von knapp 29 Jahren und eine Bevölkerungszahl von rund 1,5 Milliarden Menschen. Allein der Bundesstaat Kerala zählt 80 Millionen Menschen, die Hafenstadt Kollam hat etwa 350.000 Einwohner. Hinsichtlich der sozialen Entwicklungsindikatoren (Alphabetisierungsgrad, gesellschaftliche Stellung der Frau, wirtschaftliche Entwicklung, Kontrolle des Bevölkerungswachstums) belegt Kerala einen der Spitzenplätze unter den indischen Bundesstaaten. Die Ausbildung dort sei der in Deutschland ähnlich, heißt es von Domicil-Seite. Selbstverständlich halte man sich an die Tariftreue. Daher seien die meisten Mitarbeiter aus Indien in der Lage, einen Teil ihres Gehalts an die Familie zu schicken. 

„Deutsch ist keine einfache Sprache“, sagt der 25-jährige Sudeep Ganiger lächelnd. Aber das Gespräch mit dem Coburger Tageblatt bereitet keine Schwierigkeiten, sofern der coburg-fränkische Dialekt nicht zu sehr im Vordergrund steht. Die Verständigung, das A und O mit den Bewohnern des Pflegeheimes schlechthin, geht ohne Probleme vonstatten. Selbst wenn doch der eine oder andere Mundart-Begriff vorkommt. Auch die moderne Technik hilft, den Arbeitsalltag einfacher und effizienter zu gestalten. Die Pflegedokumentation wird via Smartphone gesprochen und von Künstlicher Intelligenz verschriftlicht. Das schafft für alle Mitarbeiter mehr Zeit für die Betreuung. 

„In Coburg leben gute Menschen“, sagt der junge Mann. Fremdenfeindlichkeit habe er hier noch nicht erlebt. Gleichwohl hätten indische Mitarbeiter an anderen Domicil- Standorten, besonders in Ballungsgebieten, schon negative Erfahrungen gemacht, weiß Vorstandschef Christian Nitsche. Hingegen müssen sich Sudeep Ganiger und seine Landleute an das deutsche Ladenschluss-Gesetz gewöhnen. „In Indien ist Einkaufen rund um die Uhr möglich, und wird besonders an den Wochenenden gemacht.“ 

Eine völlig neue Erfahrung für Sudeep Ganiger war das Klima hierzulande. Im Bundesstaat Kerala ist es tropisch, die Temperaturen schwanken kaum. In Kollam am der Küsten herrschen stets zwischen 22 und 28 Grad Celsius. Um die Eingewöhnung für die indischen Kollegen zu erleichtern, hat das Unternehmen eine breite Willkommenskultur und Hilfen installiert. So wird die erste Unterkunft im jeweiligen Pflegeheim gestellt, anschließend gibt es Unterstützung bei der Suche nach einer eigenen Wohnung und bei den unvermeidlichen Behördengängen. Die Hürden der deutschen Bürokratie sind von Bundeland zu Bundesland verschiedenen hoch und die Bearbeitungsdauer ebenso. 

Domicil hat bundesweit 50 Senioreneinrichtungen. Am 1. November 2001 wurde die erste in Ahrensburg eröffnet. Die Bewohner der Seniorenheime haben die Pflegekräfte aus Südasien ins Herz geschlossen. Johanna Walter in Coburg hat keine Vorbehalte. Im Gegenteil, die alte Dame lächelt mit Sudeep Ganiger um die Wette. Geplant ist, dass Ganiger im nächsten Jahr seine Freundin nachholt. Auch sie arbeitet in der Altenpflege. Mit einem Gericht der deutschen Küche kommt Sudeep Ganiger gut zurecht: mit den Coburger Klößen. Neben Reis stehen auch Kartoffeln in Indien auf dem Speisezettel.

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